Der Markt für Futtermittelinhaltsstoffe unterscheidet sich deutlich sowohl von der Mischfutterproduktion als auch von der Lebensmittelbranche. Er wird durch den internationalen Handel, komplexe Logistikwege, mehrfache Weiterverkäufe, Lager- und Umschlagvorgänge sowie ein hohes Maß an vertraglichen Verpflichtungen zwischen den beteiligten Parteien geprägt.
Unter solchen Bedingungen kann sich die Sicherheitskontrolle nicht nur auf den Produktionsstandort beschränken. Risiken können in jeder Phase auftreten – von der Beschaffung der Rohstoffe bis zur Lieferung an den Endempfänger.
Das EFISC-GTP-System wurde genau für dieses Umfeld entwickelt. Es verbindet Anforderungen an die Herstellung von Futtermittelinhaltsstoffen mit Good Trading Practices.
Der Standard basiert auf mehreren zentralen Elementen:
• HACCP-Grundsätze. Das System stützt sich auf Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte, richtet den Fokus jedoch nicht nur auf die Produktion, sondern auch auf Risiken innerhalb der gesamten Lieferkette.
• Lieferantenmanagement. Besonderes Gewicht liegt auf der Zulassung von Lieferanten, der Bewertung ihrer Zuverlässigkeit, der Überprüfung ihres Zertifizierungsstatus und der Beobachtung von Veränderungen.
• Rückverfolgbarkeit. Das System muss die Transparenz des Produktflusses gewährleisten, einschließlich Chargenidentifikation, Dokumentation der Vorgänge und der Möglichkeit eines schnellen Rückrufs.
• Vorfallmanagement. EFISC-GTP verlangt Verfahren für Reaktionen, die Kommunikation mit Kunden und die Analyse der Ursachen von Vorfällen.
• Good Trading Practices (GTP). Dies ist eines der prägenden Merkmale des Systems. Dazu gehören vertragliche Beziehungen, die Prüfung von Unterlagen und die Kontrolle, ob Lieferungen den Vertragsbedingungen entsprechen. Auf diese Weise schafft der Standard ein einheitliches Risikomanagementsystem, das sowohl physische Prozesse als auch Handelsaktivitäten abdeckt.
Aus praktischer Sicht folgt EFISC-GTP einer zentralen Regel: Das Ausmaß der Kontrolle muss dem Risikoniveau entsprechen.
Das bedeutet:
• Laborprüfungen werden auf Grundlage der Risikoanalyse geplant;
• die Häufigkeit der Kontrollen richtet sich nach der Lieferhistorie und der Zuverlässigkeit des Partners;
• kritische Rohstoffkategorien erhalten besondere Aufmerksamkeit;
• logistikbezogene Risiken werden bewertet, darunter Kontamination beim Transport und Vermischung von Chargen.
Mit diesem Ansatz können Ressourcen auf die Teile der Kette konzentriert werden, die tatsächlich am anfälligsten sind.
Die Sicherheit von Futtermittelinhaltsstoffen hängt vom schwächsten Glied der Kette ab. Deshalb betrachtet EFISC-GTP die Kette als ein integriertes Gesamtsystem, das Rohstoffbeschaffung, Verarbeitung, Lagerung, Umschlag, Transport und Handelsvorgänge umfasst.
Das Audit wird unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Unternehmenstätigkeit und der Rolle des Unternehmens in der Kette durchgeführt.
Als Zertifizierungsstelle bewerten wir bei einem EFISC-GTP-Audit:
• die Richtigkeit der Risikoanalyse;
• die Begründetheit der Überwachungsprogramme;
• das System zur Lieferantenbewertung;
• das Dokumentenmanagement;
• die Wirksamkeit der Rückverfolgbarkeitsverfahren;
• die Bereitschaft für Vorfälle.
Die am häufigsten festgestellten Risikobereiche in Unternehmen sind:
• ein formaler statt inhaltlicher Ansatz bei der Lieferantenbewertung;
• eine zu wenig detaillierte Analyse logistikbezogener Risiken;
• eine unsystematische Überarbeitung des HACCP-Plans bei Änderungen der Lieferbedingungen;
• eine schwache Kommunikation, wenn Abweichungen festgestellt werden.
Diese Punkte erfordern mehr als eine formale Umsetzung – sie verlangen ein echtes Verständnis der Prozesse.
Das System ist besonders relevant für Hersteller von Futtermittelinhaltsstoffen, internationale Händler, Lager- und Umschlagsbetriebe, Logistikunternehmen sowie exportorientierte Unternehmen.
Es hilft dabei, das Risikomanagement gezielt in einem Handelsumfeld zu strukturieren, in dem die operative Dynamik deutlich höher ist als in klassischen Produktionsabläufen.
EFISC-GTP ist nicht nur eine Sammlung von Anforderungen. Es ist eine Architektur für das Risikomanagement in der Lieferkette für Futtermittelinhaltsstoffe.
Es vereint Gefahrenanalyse, Prozesskontrolle, Management von Handelsrisiken, operative Transparenz und die Verantwortung der Marktteilnehmer.
Angesichts des wachsenden internationalen Handels und steigender Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit fördert eine solche Struktur Vorhersehbarkeit, Stabilität und Vertrauen in der gesamten Lieferkette.
Die nächste Veröffentlichung wird sich mit den praktischen Aspekten von EFISC-GTP-Audits und den typischen Nichtkonformitäten befassen, die in Unternehmen am häufigsten festgestellt werden.